Dortmunder Jungs? Dortmunder Mädel!

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Symbolbild. (tn)
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Mädchen sind rar in meiner Familie. Seit Generationen wurden mehr Söhne als Töchter geboren. Als mein Vater mich im Arm hielt, weinte er deshalb vor Freude: Endlich ein Mädchen! Wobei – etwas traurig war er schon: Ein Sohn wäre ja auch was gewesen, mit dem hätte er Fußball schauen und ins Stadion gehen können. Wie er schon mit seinem Vater, und der wiederum mit seinem.

Wir sind alle am Borsigplatz gebor’n…

Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Er hatte zwar das Tochter-Paket abonniert – in Farbe und HD – aber gratis die Zusatz-Option „Fußballfan“ dazubekommen! Und nicht irgendeinen Fußball-Fan. Die Liebe zur Dortmunder Borussia habe ich mit der Muttermilch aufgesogen, denn meine Mama, die wurde am Borsigplatz geboren. Also, nicht direkt. Im Krankenhaus. Aber sie wuchs ganz in der Nähe auf.

Hatte sich mein Papa auf das Stadion-Bierchen mit seinem Sohn gefreut, bekam er eine Tochter, die ihn gut und gerne damit unter den Tisch hätte trinken können. Die den Schiri in den zauberhaftesten Farben beschimpfen konnte – so farbenfroh, dass fremde Mütter ihren Kinder die Ohren zuhalten mussten. Die sogar verstanden hat, was Abseits ist.

Der KSC und Andi Unterkante

„Am Samstagnachmittag? Hömma, da kann ich nich! Da is Bundesliga!“, hörten nicht wenige Freundinnen. Mit zarten 15 Jahren das erste BVB-Spiel – ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: Es war kalt, November oder so, Pokal-Viertelfinale und der BVB verlor gegen den KSC. Doch spätestens ab da war ich infiziert. Die Stimmung auf der Südtribüne, die Gesänge und der schnelle Fußballsport an sich, hatten aus mir ein echtes schwarz-gelbes Mädel gemacht.

Als wir später Dauerkarten bekamen, Oberrang-Mittellinie, das war ein Fest für mich! Mit Papa zu jedem Heimspiel, bei jedem Auswärtsspiel am Radio: „…und Möller… Möller hat den Ball… Möller schießt UUUUUUUUUUUNNNNND… ANDIIIIIIIIIE Unterkante!“ während wir bereits das „MÖLLER“ durch den Garten jubelten. Das hat man beim Pay-TV nicht, das ist Radio-Feeling!

Kalle Riedles Wahnsinnsspiel 1997 bei der Champions-League sah ich mir zusammen mit einer Pizza an, weil alle anderen auf einen Geburtstag mussten, bei den Meisterschaften 2002 und 2012 waren wir live im Stadion, mein Vater und ich.

Mein bestes Spiel? Der Double-Pokal-Triumph 2012 in Berlin oder das Wunder von Dortmund gegen Malaga? Meine beiden Lieblingsspiele.

Bei letzterem war ich hochschwanger und die Borussia hätte beinahe das erste Stadion-Baby bekommen, als der Siegtreffer in allerletzter Sekunde von Santana (eigentlich war’s Schieber) über die Linie gekämpft wurde. Als Stadion wie Kommentator förmlich explodierten überlegte der Junior kurz, ob er zum Mitfeiern rauskommen solle!

Mutterschaftsurlaub vom Tempel

Seitdem ich Mama bin geht’s nicht mehr so oft ins Stadion. Irgendwas ist ja immer!

Aber bald, da hat mich mein schwarz-gelbes Wohnzimmer, der Tempel der Glückseligkeit wieder! Wenn Nobby sie wieder rausruft, die Fußball-Helden – dann bin ich dabei!

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