Projekt „nordwärts“ dankt für reiche Ernte

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Pfarrer Höfener-Wolf leitete den „nordwärts"-Erntedank-Gottesdienst. - Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer
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„Aller Augen warten auf Dich, und Du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ – Mit diesen Worten aus Psalm 145 eröffnete Pfarrer Christian Höfener-Wolf in der Martener Immanuelkirche am Sonntag, 7. Oktober, einen ungewöhnlichen Erntedankgottesdienst – und leitete gleichzeitig den Abschluss des „nordwärts“-Präsentationsjahres 2018 ein.

Ungewöhnlich war der Gottesdienst in der Elias-Gemeinde vor allem deshalb, weil deren Mitglieder gemeinsam mit „nordwärts“-Aktiven das christliche Erntedankfest zum Anlass genommen haben, um in diesem Rahmen eine Zwischenbilanz für das Projekt zu ziehen – und Danke zu sagen, für die Erfolge, die bereits „geerntet“ werden konnten.

11.000 erlebten Präsentationsjahr

Vor gut drei Jahren machte sich „nordwärts“ auf den Weg, die positiven Aspekte des Dortmunder Nordens in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und ihre Rolle bei der Entwicklung der Gesamtstadt zu verdeutlichen. Das Projekt „nordwärts“ soll – mithilfe eines breit angelegten Beteiligungsverfahrens – die Stärken der nördlichen Stadtbezirke Dortmunds herausheben und vorhandene Ressourcen und Entwicklungspotenziale intensiver nutzen. Im Präsentationsjahr 2018 nun stellten die „nordwärts“ Ideengeber der Öffentlichkeit ihre eingebrachten Projekte vor. Insgesamt 11.000 Menschen nahmen seitdem die Gelegenheit wahr, sich bei Wanderungen, Radtouren, Diskussionsrunden und mehr über das außergewöhnliche Projekt zu informieren.

Pfarrer Höfener-Wolf stellte heraus, dass Menschen schon in vorchristlicher Zeit für die Ernte des Jahres gedankt haben: „Ich glaube, damit sind wir ganz nah an dem, was wir heute tun: wir schauen zurück und ziehen Bilanz bei ’nordwärts‘.“

Lücken schließen und teilen

Harriet Ellwein, stellvertretende Leiterin des „nordwärts“-Teams – und Presbyterin in der Elias-Gemeinde – begrüßte jeden einzelnen der Gottesdienst-Teilnehmer per Handschlag und mit einem Geschenk: ein Apfel mit „nordwärts“-Fähnchen als Symbol für die eingefahrene Ernte. Sie las auch die alttestamentarische Liturgie aus Jesaia, Vers 58 7-12, die – eingebettet in Gebete und Gesänge – auf das Thema einstimmte: „Wir haben uns bewusst für diesen Text entschieden, weil er mit ‚Stadt‘ zu tun hat“, so Ellwein und las: „Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: ‚Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne‘.“

Pfarrer Höfener-Wolf ergänzte: „Geht es nicht bei allem, was Ihr tut, ums Teilen?“ – oder, um mit der Liturgie zu sprechen, ums Lückenschließen? Es gäbe immer Menschen, die sehen, wo etwas repariert werden muss. „Solche Menschen“, so Höfener-Wolf, „bauen etwas auf, wie Gott es will. Solche Menschen brauchen wir überall in der Welt – aber wir brauchen sie auch hier in Dortmund.“

Besondere Chemie

Einige solcher Menschen aus der Stadtgesellschaft stellten sich im Laufe des Gottesdienstes den Anwesenden vor. Es waren „Paare“, die sich über „nordwärts“ kennengelernt haben und gemeinsam Früchte ernten konnten. Die Interviews, die Pfarrer Höfener-Wolf mit ihnen führte, ersetzten die Predigt. Das erste Paar bildeten Dajana Schlieter, Sozialwissenschaftlerin vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, und Margarete Konieczny, seit vielen Jahre für Kirche und Caritas in der Senioren-, Kinder- und Flüchtlingsarbeit aktiv. Die beiden Frauen haben sich über eine Befragung zur Seniorenarbeit in Marten kennengelernt – im Rahmen des 

Forschungsprojektes Quartierslabore

Bilderstrecke: Gottesdienst – Projekt „nordwärts“ dankt für reiche Ernte

„Aller Augen warten auf Dich, und Du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ – Mit diesen Worten aus Psalm 145 eröffnete Pfarrer Christian Höfener-Wolf in der Martener Immanuelkirche am Sonntag, 7. Oktober, einen ungewöhnlichen Erntedankgottesdienst und leitete gleichzeitig den Abschluss des „nordwärts“-Präsentationsjahres 2018 ein.

Ungewöhnlich war der Gottesdienst in der Elias-Gemeinde vor allem deshalb, weil deren Mitglieder gemeinsam mit „nordwärts“-Aktiven das christliche Erntedankfest zum Anlass genommen haben, um in diesem Rahmen eine Zwischenbilanz für das Projekt zu ziehen – und Danke zu sagen, für die Erfolge, die bereits „geerntet“ werden konnten.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt entwickelt und erprobt gemeinsam mit den Menschen vor Ort innovative Dienstleistungsangebote in leerstehenden Räumlichkeiten in den Quartieren Marten und Eving. Dabei stehen gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen von Bürgern für Bürger in den Bereichen Mobilität, Gesundheit & Pflege, haushaltsnahe Dienstleistungen, Nahversorgung, Bildung und Erziehung und Freizeit im Vordergrund. Solche Angebote können zum Beispiel ein Repair-Café oder eine Hausaufgabenbetreuung sein. Der Wunsch sei, so Schlieter, die Bürgerinnen und Bürger dazu zu bringen, derlei Angebote aufrecht zu erhalten. Dass das gelingen werde, da war sich Konieczny sicher: „In den Quartierslaboren entsteht so eine besondere Chemie zwischen den Menschen. Ich bin sicher, dass wir das Angestoßene intensivieren können.“

Modellprojekt Schloss Bodelschwingh

Ein weiteres Paar, das über das „nordwärts“-Projekt zueinander gefunden hat, ist Prof. Dr. Barbara Welzel, Professorin für Kunstgeschichte an der Fakultät Kunst- und Sportwissenschaften der TU Dortmund und „nordwärts“-Kuratoriumsmitglied, und Felix Baron zu Knyphausen, Schlossherr auf Schloss Bodelschwingh.

So märchenhaft ein solches Anwesen auch sei, machte Baron zu Knyphausen deutlich, so schwer sei es, diese Anlage am Leben zu erhalten. „Wir haben uns gefragt, wie wir das Schloss in die Zukunft führen können. Über ’nordwärts‘ haben wir viel Unterstützung erfahren und sind auch schon einige Schritte weitergekommen“, so zu Knyphausen. Kennengelernt haben sich der Schlossherr und die Kunsthistorikerin auf einem „nordwärts“-Workshop auf dem Schloss. „Es zeigte sich schnell, dass wir als Historiker gefragt sind“, so Welzel. „Wir haben Bodelschwingh zu einem Modellprojekt gemacht.“ Hier werden etwa Fragen nach dem Denkmalschutz oder der Akquise von Fördergeldern unter die Lupe genommen. Alles was geschehe, so zu Knyphausen, sei zum Wohle der Menschen, die dort leben (insgesamt 20 Parteien) und für ganz Dortmund.

OB Sierau: „Danke an alle Partner“

Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Initiator des ambitionierten „nordwärts“-Projektes wünschte sich im Gespräch mit Pfarrer Höfener-Wolf, „dass die Menschen stolz auf den Dortmunder Norden seien und sagen sollten, dass sie gerne hier leben.“ Zahlen belegen, dass ein Stück dieser Ernte schon eingefahren ist, denn „nordwärts“ basiert auf vielen Teilprojekten. Insgesamt sind es bisher 234. Davon sind 29 bereits umgesetzt.

Seit Start 2015 sind die Investitionen im „nordwärts“-Gebiet von 33 Millionen Euro auf 117 Millionen Euro in 2017 und damit um fast 350 Prozent gestiegen. Dazu tragen Vorhaben, wie beispielsweise auf der Westfalenhütte bei, auf der rund 3.600 weitere neue Jobs geschaffen werden können. Alleine im Hafengebiet sollen zukünftig rund 4.000 weitere neue Arbeitsplätze entstehen. „(Ernte-)Dank an alle Investoren“, so Sierau.

Seinen Dank gab der Oberbürgermeister auch an die Wohnungswirtschaft, die großes Engagement im „nordwärts“-Gebiet zeigt. Dort gibt es im Rahmen von „nordwärts“-Teilprojekten umfangreiche Investitionen in Bestände und Neubauten bei ca. 4.000 Wohneinheiten.

„Danke an alle Partner“, honorierte der Oberbürgermeister die erfolgreiche Leistung aller Beteiligten an dem Projekt.

Begleitet vom Segen des Pfarrers und von Gitarrenmusik des Duos „Safe by Sound“ endete der besondere Gottesdienst mit einem geselligen Beisammensein mit guten Gesprächen bei Suppe und Kuchen.

Bericht: Anja Kador

Quelle: Stadt Dortmund

 

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