Wanderausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“ im Amtsgericht

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Gut besucht war der Auftakt der Ausstellung im AmtsgerichtBild(Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius 
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Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes

Vom 3. Juni bis zum 27. September 2019 gastiert die Wanderausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“ im Amtsgericht Dortmund. Die Ausstellung setzt sich intensiv mit der national-sozialistischen Justizgeschichte auseinander. Sie führt den Besuchern vor Augen, zu welchen Exzessen die Justiz in einem totalitären System fähig sein kann. 

In großformatigen Fotos, unterlegt mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, beschreibt die Ausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“ die enge Verzahnung zwischen Justiz und NS-Regime. Auf die Frage, „wieso die Justiz in so kurzer Zeit nach Hitlers Machtergreifung überlief“, wie Peter Biesenbach, Justizminister NRW, in seinem Grußwort formulierte, könne es nur annähernde Antworten geben. „90 Prozent der Juristen standen hinter dem NS-Staat“, so Biesenbach weiter.

Besondere Sozialisation der Juristen

Einen gewichtigen Grund hierfür sieht Stephan Wilms, Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus“ in der besonderen Sozialisation der damaligen Juristen: „Die in den 1920er Jahren in den Dienst der Justiz eingetretenen Personen stammten in der Regel aus gut-bürgerlichen bis adeligen Verhältnissen. Also Schichten, die kaisertreu waren. In deren Selbstverständnis kam die Gefahr für den Staat von links.“ In Anwesenheit von Rabbi Baruch Babaev, verwies Wilms auf die sogenannte „Dolchstolchlegende“, letztere als Replikat eines Plakats in der Schau zu sehen. In dieser mischt sich genannte Überzeugung mit krudem Antisemitismus, wie Wilms weiter erklärt: „Das deutsche Heer wurde vom jüdischen Bolschewismus hinterrücks erstochen.“

Stephan Wilms warf einen Blick auf die besondere Sozialisation der damaligen JuristenBild(Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Die Wanderausstellung beleuchtet die enge Verzahnung zwischen Justiz und Diktatur im gesamten Dritten Reich und gibt außerdem Einblicke in die Zeit der Aufarbeitung nach 1945. Gerade vor dem Hintergrund eines „Antisemitismus, der gegenwärtig wieder aus seinen Löchern kriecht und populitischer, autokratischer Regierungen in Europa“, so Leitender Oberstaatsanwalt Volker Schmerfeld-Tophoff einleitend, seien der Ausstellung möglichst viele Besucher*innen zu wünschen.

Großes Interesse von Dortmunder Schulklassen

Entsprechend freute es Norbert Dahmen, Rechts- und Ordnungsdezernent der Stadt Dortmund, dass im Vorfeld 30 Dortmunder Schulklassen ihr Interesse angemeldet hatten, die Schau zu besuchen: „Es ist wichtig, dass die Schüler*innen von der Pike auf lernen, was in diesem Unrechtssystem geschehen ist“, sagte Dahmen. Im gleichen Atemzug verwies er auf Dortmund als „einer weltoffenen Stadt mit einer aktiven Zivilgesellschaft“ und den „Aktionsplan gegen rechts„, der 2011 in Kraft trat.

Die Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus“ mit Sitz in Recklinghausen ist in dieser Form bundesweit einzigartig. Sie widmet sich seit über 30 Jahren der Erforschung der Justiz im Nationalsozialismus.

Torsten Tullius

Quelle: Stadt Dortmund

 

 

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