23.-25. Februar: “ENJOY COMPLEXITY“ – Neue Akademie für Theater & Digitalität

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So wie in diesem Entwurf des Architektenbüros Architektur.DLX könnte die Akademie für Digitalität und Theater einmal aussehen. Bild: Architekturbüro Architektur.DLX
So wie in diesem Entwurf des Architektenbüros Architektur.DLX könnte die Akademie für Digitalität und Theater einmal aussehen. Bild: Architekturbüro Architektur.DLX
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Schauspiel Dortmund weist mit Konferenz in die Zukunft – Brücke zwischen Theater und Digitalität

Eine ehemalige Grundschule wird zur Akademie. In Dortmund Kley startet heute die Konferenz für Theater und Digitalität, als erster Spatenstich der neuen Akademie für Theater und Digitalität. Das Gebäude steht in Dortmund Kley und es wurde zwischenzeitlich auch als Unterkunft für Geflüchtete genutzt. Mit der „Enjoy Complexity“-Konferenz wird ein Meilenstein gelegt. Auf der Konferenz widmen sich Teilnehmer aus allen Bereichen der Theater-Branche den Themen Virtual Reality (VR), Motion Tracking, Augmented Reality (AR) und Robotik.

Die Akademie für Theater und Digitalität

Die Akademie will die klaffende Lücke zwischen technischem Fortschritt und nur langsam wachsendem Knowhow an den Theaterbühnen in Deutschland und darüber hinaus schließen. Sie will forschen, ausbilden, selbstermächtigen und qualifizieren und die immensen Möglichkeiten digitaler Technologien fruchtbar machen: nicht nur für die Kunst auf der Bühne, sondern auch für die Betriebsabläufe, die in ihrem Dienst stehen. Es geht um Robotik, Sensorik, Augmented Reality, Virtual Reality, Mixed-Reality, Motion Tracking und Künstliche Intelligenz. Die Akademie will Technologie mit den Mitteln der Kunst entwickeln, ausprobieren und ihre komplexen Auswirkungen für die Menschen befragen – ohne ökonomischen Druck und mit der Möglichkeit, auch mal zu scheitern. Damit übernimmt sie auch eine zivilgesellschaftliche Verantwortung, die Wirtschaftsunternehmen unter dem Druck ihrer Bilanzen nicht wahrnehmen können. Wir haben drei Säulen entwickelt, die der Akademie ihre Grundstruktur verleihen wird: Labor, Studium und Weiterbildung. Wer mehr darüber und zu den Zielen der Akademie erfahren will: hier gibt es ein PDF zum Download.

Das Theater war immer eine Seh-Maschine, ein technisch und architektonisch ausgeklügelter Apparat, in dessen Zentrum das sicht- und hörbare Erscheinen von Körpern stand. Körper von Menschen. Stets hat das Theater auf den neuesten Stand technologischer Entwicklung geschielt und nützliche Erfindungen in sein System integriert. Das Theater hat sich mit jeder neuen Technologie als Kunstform aufs Neue selbst entgrenzt. Seilwinden, Gaslampen, Tonträger, elektrisches Licht, Kinematographen, Hubpodien. In den 1990ern haben die Qualitätssprünge in der digitalen Bildverarbeitung dazu geführt, dass die Live-Kamera von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz aus ihren Siegeszug antreten konnte. Videobilder, ob live oder vorproduziert, sind heute nicht mehr wegzudenken aus der zeitgenössischen Theaterpraxis und haben sich seit den 1990ern vielfältig weiterentwickelt.

Die explodierenden Rechenleistungen in den letzten fünfzehn Jahren haben nun noch ganz andere technische Möglichkeiten hervorgebracht. Zum Beispiel sind VR-Brillen wie die Oculus Rift für den Verbrauchermarkt erschwinglich geworden. Überall leisten Künstler_innen derzeit Pionierarbeit, um die Möglichkeiten von Virtual Reality für die Darstellende Kunst zu verstehen. Und in nicht allzu ferner Zukunft wird wohl auch der Marktpreis der Microsoft HoloLens fallen. Nicht zu reden von stark vereinfachten Methoden, um Bewegungen und dreidimensionale Körper im Raum zu tracken und in Echtzeit in virtuelle Umgebungen zu übertragen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden schon bald noch mehr avancierte Kunstformen entstehen, die virtuelle und analoge Realität miteinander vermischen und ihr Verhältnis lustvoll und kritisch befragen.

Die Stadt stellt dem Schauspiel Dortmund das Haus für unbegrenzte Zeit zur Verfügung. In Zukunft sollen die acht ehemaligen Klassenräume und die zahlreichen Büro- und Aufenthaltsräume der Raum sein, in denen Neues erdacht und erschaffen wird. Für die Konferenz vom 23. bis 25. Februar haben die Handwerker des Schauspiels das Gebäude so weit hergerichtet, dass die Räume genutzt werden können.

Workshops, Vorträge und Aufführungen

Die Konferenz „Enjoy Complexity“ – zu deutsch: genieße Komplexität – soll ein erster großer Schritt in Richtung dieser Zukunft sein. Drei Tage mit Workshops, Performances und Ausstellungen erwarten die Teilnehmer. Das Team des Schauspiel Dortmund erwartet Teilnehmer aus allen Bereichen der Theater-Branche: Regisseure, Schauspieler, Perfomacekünstler, Kommunikatoren aus Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit, Autoren, bildende Künstler, Licht- und Video-Künstler, Theatermusiker, Bühnenbildner und andere. Interessierte nicht nur aus Deutschland, sondern ganz Europa, wollten bei der Konferenz dabei sein – und so waren die freien Plätze schnell ausgebucht.

Am Freitag, 23. Februar, eröffnet NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen die Konferenz. Sprechen werden außerdem Schauspiel-Intendant Kay Voges, die künstlerischen Leiter der Konferenz Alexander Kerlin und Michael Eickhoff sowie Marc Grandmontagne, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins. Eigens für die „Enjoy Complexity“-Konferenz hat das Schauspiel Dortmund eine Ausstellung zusammengestellt, die zur Eröffnung besichtigt wird. Im ganzen Gebäude verteilt haben die Ausrichter künstlerische Forschungsarbeiten aus den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality, Motion Tracking und künstliche Intelligenz. Die Ausstellung ist ausschließlich im Rahmen der Konferenz zu sehen. In den gezeigten Stücken können die Teilnehmer inhaltliche Potentiale für die darstellende Kunst erkennen.

In den folgenden zwei Tagen werden zehn ausgewählte, zum Teil internationale, Projekte und Institutionen, die das Feld zwischen Theater und Digitalität bearbeiten, vorgestellt. In verschiedenen Workshops und Vorträgen untersuchen die Teilnehmer Fragen wie: Was für Theaterformate werden derzeit mit Augmented Reality entwickelt? Wie könnten die digitalisierten Theaterinstitutionen der Zukunft strukturiert sein? Welche Technologien aus Industrie 4.0 und Internet der Dinge haben Potential für die Darstellende Kunst? Lässt sich der Umgang mit Virtual Reality auf der Bühne mit der Radiotheorie von Bertolt Brecht besser verstehen? Wie bringt man Maschinen mit Hilfe von Code dazu, tanzen zu lernen?

Außerdem haben die Teilnehmer die Möglichkeit, eine Interaktive Tanzperformance und die Ausstellung „Afro-Tech and the Future of Re-Invention“ beim Hardware Medien Kunstverein im Dortmunder U anzusehen. Auf dem Programm steht auch der Besuch zweier Vorstellungen des Schauspiels: „4.48 Psychose“ und „Flammende Köpfe“.

Ziele der geplante Akademie für Theater und Digitalität

Die Akademie für Digitalität und Theater entsteht als ein europaweit einzigartiges Modellprojekt für digitale Innovation, künstlerische Forschung und technikorientierte Weiterbildung. Sie vernetzt in einer völlig neuartigen Struktur Partner aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft horizontal und international miteinander. Initiator und hauptverantwortlicher Organisator des Projekts ist die Künstlerische Leitung am Schauspiel Dortmund.

Aufbauen soll die Akademie auf drei Säulen: Labor, Studium und Weiterbildung. Für den Aspekt „Labor“ ist ein Stipendienprogramm für Postgraduierte mit anwendungsbezogener Forschung und Entwicklung im Team mit direktem Praxisbezug geplant. Als Studienangebot ist die Entwicklung eines Master-Studiengangs „Digitalität und Theater“ in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste und/oder der Fachhochschule Dortmund angedacht. Für die technischen Berufe am Theater soll die Akademie Weiterbildungen anbieten.

Ziel ist die Entwicklung von innovativer Veranstaltungstechnik auf höchstem technologischen Niveau, um einerseits neue künstlerische Ausdrucksformen und andererseits das effektive Zusammenwirken von traditionellem und modernem Bühnenhandwerk zu ermöglichen.

Geplant ist, dass die Akademie eng und anwendungsbezogen mit innovativen Wirtschaftsunternehmen kooperiert und im steten Austausch mit den maßgeblichen Forschungsinstitutionen steht.

Vor der Verwirklichung dieser Idee steht allerdings noch eine Herausforderung: Das Gebäude am Kleyer Weg muss umgebaut werden. Pläne und einen Entwurf vom Architekturbüro Architektur.DLX, der zeigt, wie das Gebäude zukünftig aussehen könnte, gibt es schon.

Mehr Informationen zu der Konferenz „Enjoy Complexity“ und der geplanten Akademie für Theater und Digitalität finden Sie unter dem aufgeführten Link.

Konferenz „Enjoy Complexity“ 

Schauspiel Dortmund

Quellen:
https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/nachrichtenportal/alle_nachrichten/nachricht.jsp?nid=518341
https://enjoy-complexity.de/about/

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