40 Soldat*innen unterstützen das Gesundheitsamt in der Kontaktnachverfolgung

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Zur Unterstützung ihrer Arbeit für den Bereich der Kontaktnachverfolgung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat die Stadt Dortmund das Angebot der Bundesregierung angenommen und einen Hilfeleistungsantrag an das Bundeswehr Landeskommando NRW gestellt.

Rechtsdezernent und Krisenstabsleiter Norbert Dahmen sagte deutlich: „Der Grund, warum wir die Bundeswehr hier haben, ist ganz einfach: Wir brauchen Hilfe. In Dortmund legen wir sehr viel Wert darauf, dass wir eine sehr rasche Kontaktnachverfolgung haben.“ In der vergangenen Woche sei deutlich geworden, dass die Kontaktnachverfolgung inzwischen erhebliche zeitliche Probleme hat. So habe der Krisenstab beschlossen, die „Karte zu ziehen, die die Bundeskanzlerin angeboten hat“ – nämlich, die Bundeswehr um Amtshilfe zu bitten.

Nach der Antragstellung am 12. Oktober kam bereits am nächsten Tag eine erste Delegation der Glückauf-Kaserne in Unna nach Dortmund, um sich gemeinsam mit der Leitung des Gesundheitsamtes auf den Einsatz vorzubereiten.

Seit Mitte der vergangenen Woche sind die 40 Soldat*innen in Dortmund. Nach der schnellstmöglichen Organisation der Schulungsbausteine für ihren Einsatz sowie der notwendigen Büro-Infrastruktur haben sie ihren regulären Einsatz im Zwei-Schicht-System aufgenommen. Weitere 110 Beschäftigte, die sich aus den originären Mitarbeiter*innen des Gesundheitsamtes sowie Kolleg*innen aus vielen verschiedenen Fachbereichen der Stadt zusammensetzen, sind im Rahmen der Corona-Lage im Gesundheitsamt tätig.

Extrem große Hilfe

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes, legte dar: „Auch wir in Dortmund haben erwartet, dass die Zahlen deutlich ansteigen werden. Deshalb haben wir uns durch interne Personalverschiebungen innerhalb des Gesundheitsamtes und der Stadtverwaltung darauf vorbereitet.“ Auch sei es durch die Vorplanungen gelungen, kurzfristig weitere Räumlichkeiten zu sichern. „Das war eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass wir die Soldat*innen im Haus unterbringen und ihnen einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen konnten“, so Renken.

Mit der enormen Geschwindigkeit im Anstieg der 7-Tages-Inzidenz, die seit dem vorvergangenen Wochenende (10./11. Oktober) zu verzeichnen ist, habe man allerdings nicht gerechnet. „Dass wir uns in kurzer Zeit von einer Inzidenz von 35 auf 50 bis auf 70 weiterentwickeln würden, das ist dem exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen geschuldet. In dem Zusammenhang ist es eine notwendige, effiziente und extrem große Hilfe, die wir von der Bundeswehr erhalten“, bedankte sich Renken bei den Soldat*innen.

So habe das Gesundheitsamt festgestellt, dass die Kontaktnachverfolgung nicht mehr adäquat abzuarbeiten war, weil die Mitarbeitenden sich zuerst um die Vielzahl der Meldefälle kümmern mussten. Die Kolleg*innen von der Bundeswehr haben sich dann mit der Kontaktnachverfolgung beschäftigt. „Und da ist wirklich eine ganz großartige Arbeit geleistet worden. Innerhalb von einer Woche konnte ein Riesenstapel von etwa 2.000 Personen, die zu kontaktieren waren, abgearbeitet werden, so dass wir nun annähernd tagesgleich sind“, bilanzierte der Gesundheitsamtsleiter und unterstrich: „Das ist ganz wichtig. Jeder Tag, den man verliert in der Fallermittlung und Kontaktpersonennachverfolgung, kann dazu führen und führt dazu, dass es weitere Übertragungsfälle gibt.“

Verlässliche Partnerin Bundeswehr

Oberstleutnant Stefan Heydt, Pressesprecher des Landeskommandos Nordrhein-Westfalen, ordnete die Leistung der Bundeswehr in den Gesamtkontext der Pandemie ein: „Die Bundeswehr ist seit März dieses Jahres im Zuge der Amtshilfe im Einsatz, heißt nach Artikel 35 des Grundgesetztes, dass sich Behörden von Bund und Ländern gegenseitig helfen. Einfacher ausgedrückt: Wir leisten hier Nachbarschaftshilfe.“ Heydt betonte, Artikel 35 GG sei kein Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Für die Amtshilfe sind 15.000 Soldat*innen aus allen Bundeswehrbereichen zusammengezogen worden.

Einzelne Truppenteile sind innerhalb von 24, 48 oder 120 Stunden verfügbar: „Das erklärt auch, warum wir so schnell vor Ort sein können. Wir sind bei allen Hotspots dabei, darunter Heinsberg, Güterslohs, Köln.“ Amtshilfeanträge werden von Kommunen gestellt, laufen nach einiger Zeit aus und können dann nach Bedarf verlängert werden. In Dortmund läuft der Amtshilfeantrag zunächst bis zum 15. November 2020. Heydt machte deutlich: „Wir sind Teil des Teams des hiesigen Gesundheitsamtes. Das Gesundheitsamt ist ‚Chef im Ring‘ und gibt die Anweisungen.“ Der Pressesprecher betonte: „Wir haben uns bislang als verlässliche Partnerin gezeigt. Ich gebe das Lob und die Anerkennung, die uns entgegenschlägt, gerne zurück. Die Aufnahme, die Betreuung – das war spitzenmäßig. Ganz herzlichen Dank. Auf uns können Sie sich weiterhin verlassen.“

Detlev Lachmann, Oberstleutnant Kreisverbindungskommando Dortmund im Ehrenamt und im Zivilberuf Beschäftigter der Wirtschaftsförderung Stadt Dortmund, betreibt die zivil-militärische Zusammenarbeit seit 25 Jahren: „Daraus haben sich gute Zusammenarbeiten ergeben. Wir waren in der Vergangenheit u.a. beschäftigt mit der Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die Schäden von Sturm Kyrill 2007 zu beheben und 44 Drehscheiben für Flüchtlinge zu betreiben, um sie in verschiedene Betreuungseinrichtungen zu verbringen.“ Die Kombination eines zivilen Berufs und eines Ehrenamtes bei der Bundeswehr ist nicht unüblich. Lachmann schätzt die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der sogenannten zivilen Seite in Dortmund als sehr gut ein.

Gesundheitsamtsleiter appelliert an Bürger*innen, sich selbst zu schützen

Für den Fall, dass die Inzidenz weiter ansteigt, skizzierte Renken die Situation: Wenn das Infektionsgeschehen immer weiter steige, würden solange wie möglich die tatsächlich gemeldeten Fälle sowie deren Kontaktpersonen verfolgt. Irgendwann sei es dann aber so viel, dass ein Teil der Kontaktpersonen weggelassen werden müsse.

„Das, was wir jetzt hier machen, ist der beste Weg. Man sollte nicht aufgeben müssen in der Verfolgung der Kontaktpersonen und in der Aufklärung der Indexpersonen. Wenn wir das aufgeben müssen – egal welche Strategie wir dann verfolgen – es ist immer eine Strategie des ‚Second Best‘. Wenn wir die Eindämmung weiter so erfolgreich gestalten wollen, wie wir es im Moment tun, dann sollten wir einfach die Arbeit machen und versuchen, der Lage Herr zu werden.“ Renken verband seine Analyse mit einem eindringlichen Appell an die Bürger*innen, sich selbst zu schützen: „Der effektivste Schutz gegen eine Übertragung ist eben, wenn ich mich nicht infiziere. Das heißt, durch mein eigenes Verhalten kann ich ganz wesentlich dazu beitragen, ob ich ein hohes oder ein niedriges Infektionsrisiko habe.“

Text: Anja Kador, Gaye Suse Kromer

Bild: Gaye Suse Kromer

Quelle: Stadt Dortmund

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