IHK mit Lob aber auch Kritik 

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Vorstellung des IHK-Jahresberichts 2018. (v. l.) Wulf-Christian Ehrich, stellv. IHK-Hauptgeschäftsführer, Heinz-Herbert Dustmann, IHK-Präsident und Stefan Schreiber, IHK-Hauptgeschäftsführer.© IHK zu Dortmund/Stephan Schütze 
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IHK zu Dortmund legt Jahresbericht für 2018 vor 

„Wir haben gute Gründe zuversichtlich in die Zukunft zu schauen.“ Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK, sowie deren Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber nannten wichtige Meilensteine, die die Arbeit der IHK künftig bestimmen. „Eine 100-prozentige Zufriedenheit gibt es im Wirtschaftsleben selten. Aber die konjunkturelle Lage in unserem IHK-Bezirk ist zu Anfang des Jahres mehr als zufriedenstellend.“, unterstrich Dustmann. Fast 97 Prozent der Unternehmen in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna beurteilen in einer Umfrage zu Jahresbeginn ihre Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend, lediglich knapp drei Prozent als schlecht.

Auch wenn die Weltwirtschaft nicht mehr die Wachstumsdynamik vergangener Jahre habe, bleibe dennoch der Glaube an ein gutes Exportgeschäft erhalten. Denn mehr als 93 Prozent der Unternehmen würden mit gleichbleibenden oder sogar höheren Exporten rechnen. Im Vergleich zum Herbst des vergangenen Jahres sei dies ein Plus von rund zwei Prozentpunkten. Des Weiteren verwies Dustmann auf die Wirtschaftspolitischen Leitlinien unter dem Titel „Gemeinsam Verantwortung leben“, welche die Vollversammlung der IHK in der Herbstsitzung für die Wahlperiode 2018 bis 2022 einstimmig verabschiedet hat.

An den Leitlinien für die laufende Legislaturperiode haben erstmals mehr als 300 IHK-Mitglieder aus elf IHK-Ausschüssen mitgearbeitet. Sie sind damit der legitimierte Rahmen der IHK, sich zu wirtschaftspolitischen Positionen zu äußern. Drei Herausforderungen stellen sich dabei immer wieder wie ein roter Faden. Zum einen die wichtiger werdende Fachkräftesicherung, zum anderen der notwendige Breitbandausbau und weitergehend die Digitalisierung der Wirtschaft.  „Wir werden uns als IHK als treibende Kraft bei der Weiterentwicklung des Standortes aktiv einbringen.“, betonte IHK-Präsident Dustmann. Auch der Bereich Ausbildung, eine der wichtigsten Säulen der IHK-Arbeit, steht gut da: „Im vergangenen Jahr haben wir zum achten Mal in Folge die 5.000er-Marke der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse übersprungen. Dies ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die duale Berufsausbildung für die Betriebe die erste Wahl bei der Fachkräftesicherung war und ist. Dafür gilt es an dieser Stelle einmal herzlich zu danken. In erster Linie sind es die Unternehmen, die zu diesem Erfolg beitragen. Aber auch die Berufskollegs leisten einen wichtigen Beitrag, damit die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im internationalen Vergleich sensationell dasteht“, lobte der IHK-Präsident.

Die IHK werde weiterhin für eine gleichberechtigte Ausbildung von dualem System und Hochschulausbildung eintreten. Aus diesem Grund wird sich im Namen des Ausbildungskonsenses NRW für die Fortsetzung des Instrumentes der „Berufseinstiegsbegleiter“ eingesetzt. Berufseinstiegsbegleiter unterstützen Schülerinnen und Schüler in der Berufsorientierung, zeigen Ausbildungschancen auch außerhalb der Top-Ausbildungsberufe auf und ebnen den Weg in die Ausbildung. Die Berufseinstiegsbegleitung wird bisher je zur Hälfte von der Bundesagentur für Arbeit und dem Bund finanziert. Bedauerlicherweise sind zwar die Agenturen für Arbeit auch nach dem Sommer bereit, sich weiterhin mit 50 Prozent an den Kosten zu beteiligen, der Bund jedoch nicht. Eine alternative Ko-Finanzierung seitens des Landes NRW ist bisher nicht gesichert. „Aus unserer Sicht handelt es sich um ein sinnvolles, erfolgreiches und notwendiges Instrument, welches sich etabliert hat und ohne Unterbrechung fortgesetzt werden soll.“, äußert Dustmann.

IHK-Hauptgeschäftsführer Schreiber stellte die Agenda. Ruhr vor, ein Langzeit-Projekt welches die IHKs des Ruhrgebietes unter der Federführung der IHK zu Dortmund erarbeitet haben. Dieses beinhaltet eine Reihe von wirtschaftspolitischen Fragestellungen und Antworten. Behandelt wird unter anderem eine zukunftsweisende Flächenpolitik, eine bessere verkehrliche Infrastruktur sowie die berufliche Bildung und Fachkräftesicherung. Die Ruhr-IHKs haben zur Fortentwicklung insgesamt zehn Projektideen vorgeschlagen. Hierzu gehört beispielsweise, unter dem Begriff Smart Urban Area Ruhr eine Smart City-Strategie für das gesamte Ruhrgebiet zu entwickeln oder die Bewerbung um die Olympischen Spiele zu forcieren. Unzufrieden zeigt sich die IHK über den neuen Regionalplan. Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat nach sieben Jahren Bearbeitungszeit den Entwurf offengelegt. Der Plan regelt, wo und wie viele Gewerbe-, Wohn- und Freiflächen Städte und Gemeinden in den nächsten 20 Jahren zukünftig ausweisen dürfen. „Beim Entwurf des Regionalplans Ruhr kommen die Bedürfnisse der Wirtschaft zu kurz. Deshalb fordern wir mit den IHKs im Ruhrgebiet und zusammen mit den Handwerkskammern, dass der RVR nachbessert.“, fordert Schreiber. Dabei geht es vor allem um das knappe Gut an Gewerbeflächen. Es fehlen insgesamt rund 800 Hektar, so können über die Hälfte der im Plan enthaltenen Flächen nur mit erheblichen finanziellen und planerischen Anstrengungen verfügbar gemacht werden. Der zunehmende Mangel tatsächlich verfügbarer Flächen bremst die positive Beschäftigungsentwicklung.

Nachdem am 25. Januar die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ Empfehlungen zu einem beschleunigten Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 vorgelegte, hat die IHK-Organisation auf die Ergebnisse reagiert und zum ersten Parlamentarischen Abend von IHK NRW in die Berliner NRW-Landesvertretung eingeladen. Neben Ministerpräsident Armin Laschet und Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart wurden rund 200 weitere Gäste aus Politik und Wirtschaft begrüßt. So wurde in der Kommission insbesondere ein Monitoring vereinbart. Der Fortgang des Ausstiegs soll nur dann erfolgen, wenn die Auswirkungen auf Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit beherrschbar sind.
Es sei erfreulich, dass flankierende Maßnahmen sowie eine weitere Beschleunigung des Netzausbaus vorgesehen werden. Auch die aktive Gestaltung des Strukturwandels in den betroffenen Regionen sei für die IHK eine zentrale Voraussetzung für den beschleunigten Kohleausstieg. Der Netzausbau wäre die Achillesferse der Energiewende.Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind von 5.900 km, die bislang per Bundesgesetz als Bedarf festgestellt wurden lediglich etwa 150 km realisiert. Der von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte „Aktionsplan Stromnetz“ ist ein wichtiges Signal. Neben der weiteren Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren sieht der Plan auch vor, durch ein verbessertes Monitoring die Auslastung der vorhandenen Stromnetze zu optimieren.

„Der Plan enthält viele positive Aspekte, gerade mit Blick auf kurzfristig umsetzbare Optimierungen. Gewünscht hätten wir uns zum einen jedoch einen konkreten Zeitplan zur Umsetzung der Maßnahmen, zum anderen bleibt offen, wie die Akzeptanz in der Bevölkerung gesteigert werden soll.“, betont Schreiber. Existenzgründer und Start-ups sind für den IHK-Hauptgeschäftsführer das Salz in der Suppe der regionalen Wirtschaft. Neue Ideen und Innovationen kurbeln die Wirtschaft an, beleben den Wettbewerb und sorgen für Wachstum. „Wir unterstützen Startups bei ihrer Entwicklung und bringen sie mit der etablierten Wirtschaft zusammen, damit beiden voneinander profitieren können.“

Besondere Freude besteht deshalb über die Vergabe des Exzellenz Start-up Center.NRW (ESC) an die Technischen Universität (TU) Dortmund. Dieser neue Meilenstein passt perfekt zu den Aktivitäten der IHK, die gerade erst eine Startup-Unit gegründet hat, in der künftige Unternehmen bedarfsgerecht aus einer Hand beraten werden. Die IHK wird sich als strategischer Partner beim ESC einbringen mit dem Ziel die Verknüpfung von Startups mit der regionalen Wirtschaft voranzutreiben. Schon jetzt arbeitet die IHK in beiden Punkten gemeinsam mit der TU zusammen und wird diese Projektarbeit weiter intensivieren. Beim sogenannten Roundtable Startup – Mittelstand werden von der TU, der IHK sowie weiteren Partnern Startups mit dem Mittelstand zusammengebracht.

Zum Bericht der IHK zu Dortmund:
Auf rund 80 Seiten fasst der Bericht die wichtigsten Ereignisse und Themen der IHK-Arbeit des Jahres 2018 zusammen. Der Bericht kann bei Katja Siekiera
(E-Mail: k.siekiera@dortmund.ihk.de) bestellt werden.

Quelle: Industrie- und Handelskammer zu Dortmund 

 

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