Sensationeller virtueller Zuwachs für die Sammlung

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Weihten Benno Elkans „Mahnmal für die wehrlosen Opfer des Bombenkriegs“ ein (v.li.): Gerd Kolbe, viality-Geschäftsführer Markus Rall, Beryn Hammil, Ullrich Sierau und Wolfgang E. Weick vor der Installation im MKK Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Hendrik Preu / viality
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Benno Elkans letztes Werk neu in Dortmunds Kunstbestand

Zur Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) gehören Zehntausende ganz reale Objekte – und nun auch ein virtuelles: Benno Elkans „Mahnmal für die wehrlosen Opfer des Bombenkriegs“. Das Mahnmal ist einzigartig.

Es ist die nur mit Hilfe digitaler Technik sichtbare Umsetzung eines knapp 60 Jahre alten Entwurfs, der zu Lebzeiten des Bildhauers Benno Elkan (1877 bis 1960) nie realisiert werden konnte.

Einer Kooperation vieler Freunde, Förderer, Wissenschaftler und Netzwerker ist es zu verdanken, dass das in Ausmaßen von neun Metern Breite und drei Metern Höhe geplante Werk, von dem ausschließlich schwarz-weiße Modellfotos erhalten sind, seit 2018 von allen Seiten ganz nah und intensiv betrachtet werden kann. Genau 60 Jahre nach dem Tod des berühmten Bildhauers und gebürtigen Dortmunders präsentiert die Stadt Dortmund sein Mahnmal als modernstes Denkmal Deutschlands – sowohl im MKK als auch im öffentlichen Raum – am Dortmunder U – und im weltweiten Netz.

Mahnmal kostenlos im MKK zu sehen

Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte wird das virtuelle Mahnmal ab sofort prominent im Eingangsbereich stehen. Es ist Teil der Dauerausstellung und damit für alle Besucher*innen kostenlos zu sehen. Benötigt werden dafür entweder eine Spezialbrille, die bei Führungen ausgegeben wird, oder ein Smartphone bzw. Tablet, das im MKK ausgeliehen werden kann. In Anwesenheit von Beryn Hammil, der Enkelin Benno Elkans, wurde das Werk am Freitag, 10. Januar, eingeweiht.

Am Dortmunder U erscheint das Mahnmal als virtuelle Kunst im öffentlichen Raum: Auf einer an der West-Seite des U (am Abgang zum EMIL) verlegten Boden-Steinplatte befindet sich ein QR-Code, mit dessen Hilfe man sich das virtuelle Mahnmal direkt vor das Dortmunder U platzieren kann.

Außerdem ist das virtuelle Mahnmal jederzeit und überall unter www.benno-elkan.de zu sehen. Auf dieser Seite gibt es auch Informationen in englischer Sprache.

Posthum erfüllter Lebenstraum

Die zweifache Präsentation des Mahnmals entspricht den Wünschen Benno Elkans. Er selbst hatte zwei Präsentationsmöglichkeiten entworfen: Eine Bronze-Version in einem repräsentativen Innenraum und eine drei Mal so große auf freiem Gelände in Stein. Virtuell lässt sich nun beides exakt seinen Größenvorstellungen entsprechend verwirklichen.

„Auf dem Ostfriedhof sind Elkans früheste Werke zu sehen; im MKK und hinter dem Dortmunder U nun sein letztes und nie vollendetes: in Augmented Reality, virtuell im realen Raum“, sagt Dr. Jens Stöcker, Direktor des MKK. „Benno Elkan gehört in die Ahnenreihe großer Dortmunder. Sein Name und sein Werk sollen in Zukunft noch stärker Teil unserer Erinnerungskultur in Dortmund werden.“ Auch das Museum Ostwall im Dortmunder U hat Werke von Elkan im Bestand, darunter seine Büste des Kunsthistorikers Carl Einstein sowie einige Medaillen.

 
Benno Elkans Enkelin Beryn Hammil war die Erste, die das Kunstwerk ihres Großvaters mit Hilfe einer „Augmented Reality“-Brille erleben konnte als stünde es vor ihr auf der Bühne.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Elena Hesterkamp

Das modernste Denkmal Deutschlands

Benno Elkans „Mahnmal für die Toten des Krieges“ ist das Ergebnis eines langen kreativen Prozesses. Die Idee dazu kam dem Bildhauer während des Krieges, als er die deutschen Bombenangriffe auf London erlebte. Mehr als ein Jahrzehnt lang arbeitete er an den Plänen, bis 1959 ein Gipsmodell entstand. Doch das Mahnmal, das er mit Maßen von neun Metern Länge und drei Metern Höhe plante, wurde nie gebaut, und auch das Gipsmodell ist heute verschollen.

Erhalten blieben allein sieben Schwarz-Weiß-Fotos des Modells. Beryn Hammil, die Enkelin des Künstlers, hatte sie im Nachlass ihres Großvaters gefunden, und dank eines Briefes wusste sie: Es war der Traum ihres Großvaters, „Benno’s Dream“, dieses letzte Werk in seiner Vaterstadt verwirklicht zu sehen.

Diese Fotos bildeten die Basis für einen zweiten kreativen Prozess, der 2016 begann – diesmal IT-gestützt, denn das Mahnmal sollte virtuell entstehen . Obwohl die Fotografien keinerlei technische Angaben enthalten, kaum unterschiedliche Perspektiven und keinen Maßstab bieten, gelang das Unmögliche. Das Mahnmal entstand computergestützt und als 3D-Rekonstruktion, sichtbar mit Spezialbrillen bzw. Tablets und Smartphones. Nun lässt sich das nie gebaute Werk von allen Seiten umrunden und intensiv betrachten – und das nicht nur in Dortmund, sondern auf der ganzen Welt.

Die Realisierung übernahm die Dortmunder viality AG mit ihrem Geschäftsführer Markus Rall mit Unterstützung des Lehrstuhls für Graphische Systeme an der Fakultät für Informatik der TU Dortmund/Prof. Heinrich Müller. Projektträger war der Historische Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark. Das Projekt wurde großzügig unterstützt von der Sparkasse Dortmund.

Zu Elkans Nachlass gehören sechs Schwarz-Weiß-Fotografien eines Mahnmal-Modells.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Archiv der Akademie der Künste Berlin

Benno Elkan

Benno Elkan wurde 1877 in Dortmund als Sohn des Schneidermeisters Salomon Elkan geboren. Er besucht das Stadtgymnasium und wurde zum Sprachenstudium auf ein Schweizer Internat geschickt. Dort entdeckt er das Fußballspiel. Zurück in Dortmund gründet er während seiner Lehrzeit den ersten Dortmunder Fußballverein, den DFC 1895.

Ab 1898 studierte er an der Königlich-Bayerischen Akademie der Künste in München (und gründet in dieser Zeit den 1. FC Bayern München mit), setzte sein Studium dann in Karlsruhe mit dem Schwerpunkt Bildhauerei fort. Seine ersten Aufträge waren Grabmale, die noch heute auf dem Ostfriedhof zu sehen sind. Elkan lebte und arbeitete in Paris und Rom. Den Ersten Weltkrieg erlebte er in Polen und landete anschließend in Frankfurt/Main, wo er das großstädtische Kulturleben in den 1920er-Jahren entscheidend prägt.

Elkan war 47 Jahre alt, als er Deutschland 1934 verlassen musste. Das Berufsverbot zwang ihn zur Emigration nach London. Der erzwungene Neuanfang dort fiel ihm nicht leicht, erst ab 1936 nahmen die Aufträge wieder zu: Medaillen, Porträtbüsten und Leuchter für Kirchen wie die Westminster Abbey. In diesen Jahren entwickelte er seine Idee, einen großen siebenarmigen Leuchter, eine Menorah-Skulptur zu schaffen – sein Lebenswerk. Der Leuchter wurde 1956 als Geschenk Großbritanniens an das israelische Parlament übergeben und steht noch heute vor der Knesset in Jerusalem.

Benno Elkan starb am 10. Januar 1960 in London. Im April 2016 widmete ihm die Stadt Dortmund die „Benno-Elkan-Allee“ am Dortmunder U

Weitere Informationen finden Sie online.

Quelle: Stadt Dortmund

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