MKK erinnert mit Ausstellung an Opfer des Nationalsozialismus

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Moderator Gregor Schnittker begrüßte gut 300 Gäste in der Rotunde des MKK - Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Lina Nikelowski
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Zum Gedenken an die Opfer des Holocausts kamen am 27. Januar gut 300 Menschen in die Rotunde des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte (MKK). Gleichzeitig eröffnete das MKK die Ausstellung „Die I.G. Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz. Wirtschaft und Politik im Nationalsozialismus.“

Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zur Erinnerung an den Holocaust und an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau erklärt.

Respekt vor den Opfern

Stadtdirektor Jörg Stüdemann unterstrich: „Die Ausstellung und der heutige Gedenktag konfrontieren uns mit dem grausamsten Kapital der deutschen Geschichte, mit der Erinnerung an über sechs Millionen Menschen in Europa und mit der Erinnerung an den Versuch die europäischen Jüdinnen und Juden zu vernichten.“ Der Gegenstand der Ausstellung dokumentiere zudem, so Stüdemann weiter, wie das Leiden der Menschen sogar noch von deutschen Konzernen wirtschaftlich ausgebeutet wurde. „Trauer, Schuldgefühle, Sprachlosigkeit, Erschütterung und Empörung bewegen uns heute, wenn wir auf den nationalsozialistischen Terror zurückschauen und auf die Renaissance völkisch-rassistischer Haltungen im politischen Alltag der Gegenwart. Angemessene Worte lassen sich angesichts der historischen Untaten nicht finden.“

Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Holocaust erinnerte der Stadtdirektor an die mehreren Hundert Menschen jüdischen Glaubens, die auch von Dortmund nach Ausschwitz deportiert wurden. „Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen darf aus Respekt vor den Ermordeten und aus präventiv politischen Gründen nicht verblassen – heute ist das dringlicher denn je“, so Stüdemann.

Erinnerungsarbeit: Mit Herz, Verstand und tätiger Hand

Der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Georg Borgschulte stellte die Erinnerungsarbeit unter den Leitgedanken „Mit Herz, mit Verstand und mit tätiger Hand“. Er erläuterte, dass Erinnerungsarbeit mit Herz auch immer Biografiearbeit sei. „Der Blick sowohl auf die Opfer, als auch auf die Täter verändert sich dadurch.“ Erinnerungsarbeit brauche jedoch auch die wissenschaftliche und intellektuelle Auseinandersetzung. „Sie darf aber nicht in Gefühlen und intellektuellen Gesprächen stecken bleiben. Sie drängt zum Handeln und dafür brauchen wir die Jugend von heute.“

Ausstellung dokumentiert und klärt auf

Prof. Dr. Sybille Steinbacher analysierte in ihrem Vortrag „Auschwitz. Eine Stadt und ‚ihr‘ Lager“ das „Nebeneinander von Normalität und Verbrechen“. Steinbacher ist Direktorin des Fritz-Bauer-Instituts und Inhaberin des Lehrstuhls für die Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie skizzierte, wie der Aufbau zur „Musterstadt“ Hand in Hand ging mit dem immer größer werdenden Lagerkomplex. „Ohne das Programm der Vernichtung ließe sich der Aufbau der Musterstadt nicht erklären“, so Steinbacher.

v.l. MKK-Museumsleiter Dr. Jens Stöcker, Prof. Sybille Steinbacher, Stadtdirektor Jörg Stüdemann, Dr. Reinhard Rauball, Markus Langer, Gregor Schnittker, Georg Borgschulte – Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Lina Nikelowski

Der Chemiekonzern I.G. Farben ließ ab 1941 in unmittelbarer Nähe zu dem Konzentrationslager Auschwitz die größte chemische Fabrik in Europa bauen. Neben deutschen Fachkräften setzte das Unternehmen auf der riesigen Baustelle Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus ganz Europa ein, aber auch eine erhebliche Zahl von hauptsächlich jüdischen Häftlingen aus dem KZ Auschwitz. Unter ihnen befanden sich auch Insassen des Deportationstransports, der am 2. März 1943 Dortmund in Richtung Auschwitz verlassen hatte.

Der Konzern und die SS, die eine intensive Zusammenarbeit verband, errichteten 1942 für die zunehmende Zahl von Häftlingen das firmeneigene KZ Buna-Monowitz (Auschwitz III). Tausende kamen durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu Tode oder wurden in den Gaskammern in Auschwitz-Birkenau ermordet, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren. In der Ausstellung werden Entstehung, Betrieb und Auflösung des KZ Buna-Monowitz nachgezeichnet.

Orientierung geben

Markus Langer, Markenchef der Evonik Industries AG, und Dr. Reinhard Rauball, Präsident Borussia Dortmund e.V., erörterten abschließend im Gespräch mit Moderator Gregor Schnittker ihre Beweggründe für die Förderung der Ausstellung. Eine der Vorgängergesellschaften von Evonik waren die Chemischen Werke Hüls, die in engem Zusammenhang mit den Plänen des I.G.-Farbenwerkes in Monowitz standen. „Dieser Verantwortung wollen wir uns stellen“, so Langer. Rauball stellte fest, dass kaum eine Institution mehr Zuspruch genieße als der Fußball, deshalb müsse man in sozial-politischer Hinsicht besonders in Richtung junger Menschen Orientierung geben.

Die Ausstellung ist bis 7. April im Studio des MKK, Hansastr. 3, zu sehen und wird durch ein vielfältiges und kostenloses Programm aus Vorträgen, Lesungen, Konzert und Filmvorführungen begleitet.

MKK zeigt Ausstellung „Die I.G. Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz“

Quelle: Stadt Dortmund

 

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