Wechsel und Beständigkeit in Bergkamen

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BU: Beim IHK-Wirtschaftsgespräch in Bergkamen (v.l.): Dominik Stute, Dunja Faust, Wulf-Christian Ehrich, Dr. Hans-Joachim Peters und Frank Welzel Foto: IHK zu Dortmund/Stephan Schütze
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Mehr als 60 Gäste beim IHK-Wirtschaftsgespräch am 12. November

Mehr als 60 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren zum traditionellem Wirtschaftsgespräch der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund zur Bulten GmbH in Bergkamen gekommen. Nach seiner Begrüßung übergab Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, die Leitung des Wirtschaftsgesprächs an IHK-Referent Dominik Stute, der ihn in seiner Funktion als Regionalbetreuer für Bergkamen beerbt hat. Stute bedankte sich beim Hausherrn für die Gastfreundschaft und führte durch den Nachmittag.

Als Vertreter für Bürgermeister Roland Schäfer berichtete der Erste Beigeordnete der Stadt Bergkamen Dr. Hans-Joachim Peters über aktuelle Entwicklungen in Bergkamen. Themenfelder waren dabei insbesondere der großflächige Einzelhandel, sowohl im Rathausviertel als auch im Siedlungsschwerpunkt Rünthe. Ein weiteres wichtiges Thema war das gerade verabschiedete Klimaschutzkonzept. Peters appellierte an die heimische Wirtschaft, dem Beispiel der gastgebenden Bulten GmbH zu folgen. Das Unternehmen war aufgrund erfolgreicher Investitionen für Energieeinsparungen im Jahr 2016 mit der Klimaschutzflagge des Kreises Unna bzw. der Landesinitiative Agenda 21 ausgezeichnet worden.

Der stellv. IHK-Hauptgeschäftsführer Wulf-Christian Ehrich erläutert im Anschluss unter anderem die bisherigen Ergebnisse der „Ruhrkonferenz“ und berichtet über die Herausforderungen in der Regionalplanung sowie die aktuellen Entwicklungen beim Brexit. In seinem Vortrag widmete sich Ehrich zunächst der gesamtwirtschaftlichen Lage. Mitte Oktober hatten die IHKs aus dem Ruhrgebiet den aktuellen Ruhrlagebericht vorgelegt. Zwar folge nach einem langen Hochsommer jetzt der konjunkturelle Herbst, von einer Schlecht-Wetter-Front am Konjunkturhimmel könne aber für den westfälischen Teil des Ruhrgebiets keine Rede sein. Das ist das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage bei 139 Unternehmen mit mehr als 23.000 Beschäftigten aus den Städten Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna.

Die Geschäftslage wird von den meisten Unternehmen ausgesprochen positiv bewertet, gegenüber dem Jahresbeginn hat sich die Stimmung allerdings eingetrübt. Waren es damals noch 97 Prozent der befragten Unternehmen, die ihre geschäftliche Lage mit der Note gut oder befriedigend bewerteten, so ist der Anteil auf knapp 94 Prozent leicht zurückgegangen. Gegenüber der vergangenen Umfrage haben die Unternehmen ihre Exporterwartungen am deutlichsten nach unten korrigiert. Nur noch 8,4 Prozent der befragten Unternehmen erwarten höhere Exporte. Anfang des Jahres waren es noch 24 Prozent.

Von ausgesprochen guter Stimmung konnte Ehrich berichten, als 55 Startups aus 20 Ländern im Rahmen der diesjährigen „Start.up! Germany Tour“ zu Gast in der IHK zu Dortmund waren. Beim sogenannten Reverse Pitch tauschten die jungen Gründer ihre Rollen mit etablierten Unternehmen. Das heißt, nicht die Startups präsentierten ihre Geschäftsideen dem Publikum, sondern namhafte Firmen wie HELLA und VAHLE Group stellten sich und ihr Konzept vor und warben in kurzen Vorträgen und einer anschließenden Fragerunde für die Zusammenarbeit. Ein Konzept, das viel Beifall fand. Die Tatsache, dass Dortmund zeitgleich zur „Start.up! Germany Tour“ Schauplatz des Digitalgipfels der Bundesregierung ist, sorgte ebenfalls für Anerkennung unter den jungen, internationalen Gästen.

Im Anschluss widmete sich Ehrich dem erforderlichen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lünen und Münster und bezeichnete das 27 Kilometer lange Teilstück als die am stärksten vernachlässigte Metropolenverbindung in Deutschland. „Aus unserer Sicht muss mit Weitblick geplant werden. Notwendig ist neben den Reparaturen der bestehenden Mängel auch ein zweites Gleis auf der gesamten Strecke, ausgebaut für durchgängig 230 km/h“, betonte Ehrich. Zudem sei eine Brücke im östlichen Bereich des Dortmunder Hauptbahnhofs erforderlich, um dort die intensiven Ost-West-Verkehre von denen nach Münster abzugrenzen.

Ehrich skizzierte auch die Ergebnisse der „Kohlekommission“: Mit der Schließung von vier Steinkohlekraftwerken im Kreis Unna könnten mittelfristig bis zu 1.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Vor diesem Hintergrund betonte er die Notwendigkeit, dass die vom Bund zugesagten finanziellen Hilfen nicht nur den rheinischen Braunkohlerevieren zukommen. „Auch im Kreis Unna brauchen wir Geld, um diesen Strukturwandel abzufedern.“ Zugleich müsse bei den Planungen für die Nachnutzung der riesigen Areale das große Potenzial als Industrie- und Gewerbeflächen beachtet werden. „Unsere Wirtschaft braucht Flächen, um wachsen zu können“, so Ehrich, der die Verzögerungen beim Regionalplan kritisierte. Der Regionalverband Ruhr wird den für die zukünftige Flächenzuordnung im Ruhrgebiet so wichtigen Regionalplan nicht 2020 verabschieden. „Unsere Unternehmen brauchen endlich Planungssicherheit für ihre Investitionsabsichten. Diese Zeitverzögerung hemmt die wirtschaftliche Entwicklung in unserer IHK-Region und im gesamten Ruhrgebiet.“

Zum Abschluss der Veranstaltung stellten sich führende Unternehmen an der Industriestraße vor: Dunja Faust, Niederlassungsleitung Bergkamen der Paul Hildebrandt AG, stellte ihr Unternehmen als Beispiel für eine erfolgreiche Neuansiedlung vor, für ein etabliertes Unternehmen gab Frank Welzel, Werksleitung Bergkamen der gastgebenden Bulten GmbH, Einblicke in sein Unternehmen, das seit fast 25 Jahren als Produktions- und Logistikstandort vor Ort ist und welches die Teilnehmer des IHK-Wirtschaftsgespräches bei einer abschließenden Werksführung selbst kennenlernen konnten.

Quelle: Industrie- und Handelskammer zu Dortmund

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